Verletzungen vorbeugen: Was Screenings können – und was nicht
Screenings, die Verletzungen vorhersagen sollen, klingen gut – wissenschaftlich haltbar ist das Versprechen nicht. Trotzdem sind strukturierte Tests sinnvoll: Sie finden trainierbare Defizite. Und Training ist der Teil, der nachweislich wirkt. Ein ehrlicher Blick auf die Studienlage.
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Das Wichtigste in Kürze
- Kein Test der Welt kann zuverlässig vorhersagen, wer sich verletzen wird – das zeigt die Forschung deutlich.
- Screenings können aber etwas anderes: trainierbare Defizite sichtbar machen, etwa Kraftasymmetrien oder eine auffällige Landemechanik.
- Gezieltes Kraft- und Bewegungstraining kann das Verletzungsrisiko nach der Studienlage deutlich senken.
- Präventionsprogramme wie FIFA 11+ zeigen im Fußball gut belegte Effekte.
- Sinnvoll ist die Kette: messen, Defizite finden, gezielt trainieren, nachmessen.
Das ehrliche Zuerst: Verletzungen vorhersagen kann niemand
Wer Ihnen verspricht, mit einem Test Ihre nächste Verletzung vorherzusagen, verspricht zu viel. Der Sportmediziner Roald Bahr hat es in einer viel zitierten Arbeit auf den Punkt gebracht: Screening-Tests können Verletzungen nicht vorhersagen – dafür sind Verletzungen zu multifaktoriell. Müdigkeit, Trainingsbelastung, Gegnerkontakt, Zufall: All das lässt sich nicht in einem Testwert abbilden.
Warum bieten wir dann selbst ein strukturiertes Screening an? Weil Vorhersage und Bestandsaufnahme zwei verschiedene Dinge sind.
Was ein Screening wirklich kann
Ein gutes Screening beantwortet nicht die Frage „Werde ich mich verletzen?“, sondern die Frage „Wo stehe ich – und woran lohnt es sich zu arbeiten?“. Typische Befunde, die sich messen lassen:
- Kraftasymmetrien zwischen linker und rechter Seite – häufig nach früheren Verletzungen, oft unbemerkt
- Auffällige Landemechanik, etwa ein nach innen wanderndes Knie bei Sprunglandungen
- Defizite in Rumpf- und Hüftkraft, die sich auf Lauf- und Sprungbewegungen auswirken
- Eingeschränkte Beweglichkeit in sportartrelevanten Gelenken
Das sind keine Prophezeiungen – es sind Arbeitsaufträge. Und genau da wird es interessant.
Der Teil mit der guten Evidenz: Training senkt das Risiko
Während die Vorhersage-Idee wissenschaftlich gescheitert ist, steht die Trainings-Seite auf solidem Fundament. Eine große Meta-Analyse von Lauersen und Kollegen kam zu dem Ergebnis, dass Krafttraining Sportverletzungen deutlich reduzieren kann. Auch strukturierte Aufwärmprogramme wie FIFA 11+ zeigen im Fußball in mehreren Studien eine relevante Senkung der Verletzungsraten.
Die logische Kette ist also nicht „Test sagt Verletzung voraus“, sondern: Messen macht Defizite sichtbar, Training verbessert Defizite – und gut trainierte Athleten verletzen sich im Schnitt seltener.
Woran Sie ein seriöses Angebot erkennen
- Es verspricht keine Verletzungsfreiheit – sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme.
- Es misst nachvollziehbar: Seitenvergleich, Videoanalyse, dokumentierte Werte statt Bauchgefühl.
- Es endet nicht mit dem Test, sondern mit einem Trainingsplan – und idealerweise einem Nachtest.
- Bei Schmerzen oder akuten Beschwerden gehören Sie zur ärztlichen Abklärung statt in den nächsten Kurs.
So setzen wir das in Eltville um
Unser Athletik-Protokoll folgt genau dieser Logik: strukturiertes Vorgespräch, videogestützte Analyse mit schriftlichem Befundbericht, zwei gezielte 1:1-Einheiten zu Ihren Befunden und ein individuelles 8-Wochen-Programm – optional mit Re-Test, damit Fortschritt gemessen wird statt behauptet. Bei akuten Beschwerden sind Sie dagegen in der Sportphysiotherapie mit ärztlicher Verordnung richtig.
Häufige Fragen
Bringt ein Screening überhaupt etwas, wenn es Verletzungen nicht vorhersagen kann?
Ja – aber aus einem anderen Grund, als oft beworben wird. Es findet trainierbare Defizite. Der Nutzen entsteht durch das Training danach, nicht durch den Test selbst.
Reicht nicht einfach mehr Training?
Mehr ist nicht automatisch besser. Unspezifisches „Mehr“ kann Defizite sogar zementieren, wenn immer dieselben Muster trainiert werden. Gezieltes Training an gemessenen Schwachstellen ist effizienter – gerade bei begrenzter Trainingszeit.
Für wen lohnt sich ein Screening besonders?
Für Sportler nach einer abgeschlossenen Reha, vor Saisonbeginn oder bei ambitionierten Zielen – überall dort, wo eine objektive Standortbestimmung die Trainingsplanung verbessert.
Quellen
- Bahr R: Why screening tests to predict injury do not work – and probably never will – British Journal of Sports Medicine 2016.
- Lauersen JB et al.: The effectiveness of exercise interventions to prevent sports injuries – Meta-Analyse, British Journal of Sports Medicine 2014.
- Bizzini M, Dvorak J: FIFA 11+: an effective programme to prevent football injuries – British Journal of Sports Medicine 2015.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder physiotherapeutische Diagnose und Beratung. Bei starken Schmerzen, ausgeprägter Schwellung, Instabilität oder Verdacht auf eine schwerwiegende Verletzung lassen Sie sich bitte ärztlich untersuchen.
Wissen, wo Sie stehen?
Das Athletik-Protokoll macht Kraft, Symmetrie und Bewegungsqualität messbar – ohne Rezept, in Eltville.
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